![]() |
Unter der Leitung von Herrmann Julius Meyer wurde die Arbeit am Konversationslexikon zum wichtigsten Projekt des rasch expandierenden Verlags. Vor allem durch die erfolgreiche Vertriebsorganisation und den engen Kontakt zum Reise- und Versandbuchhandel konnte sich das Bibliographische Institut bald eine Spitzenposition unter den deutschen Lexikonverlagen erobern. Von der 3. Auflage des Konversationslexikons wurden 130 000 Serien verkauft, der Gesamtabsatz der 1897 fertig gestellten 5. Auflage in 17 Bänden lag bei 233 000 Exemplaren, das heißt rund 5 Millionen Bänden. Und wie der Name Brockhaus wurde auch der Name Meyer zu einem Synonym für Nachschlagewerke.
![]() |
| Stichwortauswahl, Autorensuche und Recherche: In der Meyer-Redaktion beginnt die Kunst des Lexikonmachens |
Als kühl rechnender und vorausschauender Verleger entwickelte Herrmann Julius Meyer ein Verlagsprogramm, das dem Bildungs- und Informationsbedürfnis seiner Zeitgenossen ebenso entsprach wie ihren finanziellen Möglichkeiten. Neben Projekten wie Brehm's illustrirtes Thierleben, den Reisebüchern, der Klassikerbibliothek und Atlanten und parallel zur fortlaufenden Aktualisierung des Großen Meyer verfolgte er das Ziel, die inzwischen angesammelte lexikalische Substanz für einen neuen Typ von Nachschlagewerken zu verwerten. Als auch für den kleinsten Geldbeutel erschwinglich wurde Meyer's Hand-Lexicon des allgemeinen Wissens, der so genannte Kleine Meyer, konzipiert, der ebenso wie der Große zu einem Klassiker der Marke Meyer avancierte. Bei den Lexikontypen wie auch später den mittleren Ausgaben kam die geographisch-kartographische Arbeit des Verlags zugute: Die Lexika des Bibliographischen Instituts waren mit Bild- und Kartenmaterial hervorragend ausgestattet, während der Konkurrent Brockhaus noch bis kurz vor der Jahrhundertwende mit reinen Textausgaben antrat. Nicht zuletzt hier liegt der Grund für den hohen antiquarischen Wert von Meyer-Lexika aus dem 19. Jahrhundert.
1884, zehn Jahre nach dem Umzug des Bibliographischen Instituts nach Leipzig, übergab Herrmann Julius Meyer seinen Söhnen die Leitung des Unternehmens. Wichtigstes Ziel nach der Einführung der 4. Auflage des Konversationslexikons war die Herausgabe von zwei neuen Verlagsserien. Der überwältigende Erfolg von Brehm's Thierleben hatte den Gedanken nahe gelegt, auch die übrigen Bereiche der Naturwissenschaft in Handbüchern sachkundig und allgemeinverständlich darzustellen. Mit den neun Bänden der Allgemeinen Naturkunde erschien ein neuartiger Typ des enzyklopädischen Sachbuchs, der das Programm des Verlags bis zum Ersten Weltkrieg wesentlich bestimmte.
![]() |
![]() |
|
| Objektivität, Aktualität sowie Anschaulichkeit in Text und Bild sind heute oberste Grundsätze bei der Bearbeitung allgemeiner Nachschlagewerke | ||
Speziell für das Sortiment waren Meyers Volksbücher konzipiert, die an die Tradition der erfolgreichen Klassikerbändchen anschlossen: Guter Lesestoff für den schmalen Geldbeutel! Der sensationell niedrige Preis der Bände mag weder dem Verlag noch dem Buchhandel hohe Gewinne eingebracht haben; das Unternehmensziel des Bibliographischen Instituts, gute Literatur möglichst preiswert breiten Leserkreisen anzubieten, ist zweifellos erreicht worden: Bis 1914, als die Reihe eingestellt wurde, waren rund 1 700 Nummern erschienen und in über 25 Millionen Exemplaren verbreitet.